Moinmoin. Hier findet ihr alles mögliche aus dem AZUBI-Universum. So ne Art Einblick in unserer kreatives Entstehungs-Chaos. Außerdem Sachen, die zu geil sind, als das sie nach 5mal spielen einfach wieder so verschwinden. Anekdoten und Peinlichkeiten, Songtexte und Bastelanleitungen, banales, poetisches, trashiges ...

Dose ... Die Resteverwerter

Aus:

Die Resterverwerter, Dockville 2010

Zufalls-Flyer :

Cityswap.jpg

Nicht geförderte und nicht durchgeführte Miniatur (geplant waren sechs) aus 2015 zum Thema: Das Theater als Blauspause des Lebens. Wir halten die Idee aber mal warm ;)

5. Das Publikum – Sehen und gesehen werden

Uns, den AZUBIS, fehlt eklatanter Weise jeglicher Glamour und Foyerduktus. Um unser Publikum dennoch daran Teil haben zu lassen, laden wir sie zur Pause in die Staatsoper ein. Hier lernen sie von den Besten, den klassischsten aller Theatergängern. Mit Audioguide ausgestattet, schreiben wir Performer den Opernzuschauern improvisierte Texte und Geschichten zu. Diese erzählen von der Sehnsucht, gesehen zu werden, von der Lust, sich in einer Rolle zu inszenieren, von der Einsamkeit und Angst, hinter der Fassade verloren zu gehen.

Inkognito hören unsere Zuschauer unsere Texte, die sich zu kleinen Geschichten verweben. Es beginnt ein Spiel zwischen Realität und Fiktion, in dem Opernzuschauer zu Darstellern und unser Zuschauer zum Voyeur wird, der die Lust genießt, stiller und geheimer Teilnehmer der Performance zu sein, ohne gesehen zu werden.

Die Biene Hamlet

Grabrede aus Sucide Boys

Wir nehmen heute Abschied von:

Einem Karfunkel. Einem Tausendsassa mit Hühnerbrust dem es nie gelungen ist, sich anständige Kotletten wachsen zu lassen. Einem Spring ins Feld, einem Schattenboxer mit Lampenfieber, einem Optimistkäfer, einem Trampelpfadfinder, einem Papierschnipselsammler, Luftschloßbesitzer, Einem Nebelbankräuber, einem Weltenverbummler einem Glücksritter mit Schuppenpanzer und einer maulfaulen Sportskanone. Seine Lieblings-Yoga-Figur war der Aal.

Einem dickhäutigen Bruder Leichtfuß und rechtshändigen Linksträger, Glatteisverkäufer und Telfonsorgenbesitzer. Einem Feinripp-Casanova und Schlüpferstürmer. Jeder Herz Dame war er eine Pik Sieben.

Ein Chamäleon das auf einer Schottendecke unter Konfetti und einem Stroboskop tanzt. In sich gekehrt, aus der Haut fahrend. Ein Zukunftsmusik-Clown. Ein Vielleicht-Matrose.

Ich, Jens, ich nehme Abschied und gehab mich wohl. Es war ein kurzweiliges Leben. Nur die Besten gehen, wenn es am Schönsten ist.

Nikotina Turner. Es singt der Softchor. Aus: Die Raucheroper.

Eine Perle aus unseren Ausbildungs-Zeiten. Unter der schmeichelnden Leitung von Jaques Palminger und Erobique Meyer. Mit Rauchern, Nichtrauchern und Ponys. Am Gorki-Theater. Und zieht.

Nigthbreezers

Erinnerungsfetzen Stand 28.06.2010 (nicht benutzt)

Einem durch die Straße wehendem Kontoausdruck kann man entnehmen, das Konrad im April als selbstständiger Versicherungsmakler 2242 Euro netto verdient und exakt den gleichen Betrag nur drei Tage später bei ebay für einen 2 Meter langen ausgestopften Alligator bezahlt hat.

Jannik hat seinen Bibliotheksausweis verloren. Der unbekannte Finder hat einen anderen Geschmack, was auffiel, als Janniks Mutter Rückgabe-Versäumnis-Gebühr bezahlen sollte. Die Liste der letzten fünf Bücher, die Jannik gelesen haben soll: Babalou und der kleine König, Der rote Traktor geht in den Zoo, Die Hexenverbrennungen-Mit über 300 Abbildungen, Peeping Tom. Ein Schlüsselloch-Roman, Chemische Kampfstoffe und ihre Wirkungen

Er fühlte sich eigentlich nicht danach, aber Marie und Lasse waren schon in ihrer Unterwäsche in den Kanal gestiegen und er wollte nicht feige daneben stehen. Lasse behauptete später, Marie habe seinen Pimmel unter Wasser gestreichelt.

Der Marlborostummel klemmte zwischen den Lippen des Denkmals. Er war der erste den Lena mit ihren 14 Jahren in den Mund nahm. Sie fühlte sich verwegen und zog mit den älteren Jungs durch die Stadt. Ihr ist nichts passiert. Sie weiß noch heute, wo sie den Stummel entsorgt hat und lächelt manchmal deswegen.

Moderne Mimikri. Eine Asselart tarnt sich vor Räubern, in dem sie Farbe und Form ausgespuckter Kaugummis auf dem Bürgersteig annimmt.

Zwei junge Herren sitzen sich in der U-Bahn gegenüber. Der eine spielt nervös an seinem Koffer. Als er aufsteht öffnet sich dieser aus versehen und über den Boden verteilen sich hunderte von gebrauchten schwarzen Kämmen. Der andere wird noch Jahre später einen Schauer beim Kämmen empfinden.

Karen verteilte ihre Benjamin Blümchen Hörspielsammlung in der Innenstadt, um anderen anonym eine Freude zu machen. Ulli fand welche davon und, in der Annahme Karen sammele noch immer, schenkte sie ihr zum Jahrestag.

Drei Bierdosen unterhalten sich untereinander, welcher ihrer Konsumenten am besoffensten war. Meiner, sagt die eine, er hat mich in einem einzigen Zug ausgetrunken! Nein, meiner, übertrumpft die Zweite Dose, ich bin noch halbvoll, mehr hat mein Säufer beim besten Willen nicht vertragen! Ihr habt beide Unrecht, sagte die Dritte, meiner war der Betrunkenste. Er hat mich noch nicht mal geöffnet, stattdessen hat er mich grundlos einem Pensionär in der U-Bahn über den Schädel gezogen.

In der Sekunde wo das Ahornblatt im Herbst seinen angestammten Ast verließ und sanft dem Boden entgegen-segelte, konnte es aus den Augenwinkel ein junges Paar sehen, das sich innig im leichten Regen küsste. Er hatte keinen Verlobungsring, deswegen nahm er den Plastikring einer Wasserflasche.

Tom, damals vier Jahre, saß Aug in Aug mit einer Heuschrecke auf seinem Stammplatz unter der Rutsche. Er weiß heute, das das Quatsch ist, aber manchmal glaubt er immer noch, das sie zu ihm gesprochen hat: Höre Tom, der Schlüssel zur Keksschublade ist im Nachtschrank deiner Mama. Sie will sogar, das du in an dich nimmst.

Perfekt, ein perfekter olfaktorischer Moment, lies Anja verblüfft stehenbleiben. Aus der nahen Bäckerei wurden die Franzbrötchen aus dem Ofen geholt, aus einem kleinen Seifen- und Kräuterladen drang der Duft von Hibiskus und Kölnisch Wasser und aus dem Kanal kam ein leicht salziger und nicht unangenehmer Geruch von Muscheln.

Herr Krämer saß entspannt in der Mittagspause etwas abseits seines Büros, las die Tageszeitung und lachte sich scheckig. Ein Lebensmittel-Konzern pries in einer Anzeige ihre „Kackfrischen Paprika“ an.

Robert Neuner schmiss dann irgendwann vor Wut sein nagelneues Handy an die Wand. Seit Minuten hörte er sein Klingelton ohne das ein Anruf eintraf. Er wurde erst stutzig, als danach immer noch ein TwipTwipTwip zu hören war. Eine Elster flog davon und schiss ihm auf den Armarni.

Natascha Dubinski, sie leitet die Abteilung für Innere Medizin mittlerweile seit drei Jahren und stand jeden Morgen kurz davor, ihren Wecker kurz und klein zu schlagen, kam gestern, nachdem sie eine versonnene Minute den Spielplatz beobachtet hatte, auf die Idee, sich von ihren I-Pod mittels Kinderlachen wecken zu lassen. Heute ist sie zum ersten Mal seit langem mit entspannten Gesichtszügen aufgewacht.

Miau, strich eine schwarze Katze um Herrn Shariffs Beine, er freute sich ob der Nähe des Tieres, verscheuchte sie dann aber doch. Später sah er wieder eine schwarze Katze, rechts in der Seitengasse beim Kiosk verschwinden und nur Sekunden später eine die im Kiosk bei dem fetten Besitzer auf dem Schoß saß. Kurz dachte er darüber nach, ob er jetzt eine sehr schnelle oder zwei sich ähnelnde Katzen gesehen hatte, bevor er, wie jeden Dienstag, zu seiner toten Frau ging. Er irrte sich. Es waren drei Katzen.

Das Rotkelchen fuhr erschreckt zurück. Ihr Domizil, das Vogelhäuschen an der Klinkerstraße, war besetzt. Ein kleine Kuh stand auf den Balkon und hing gerade ihre Wäsche auf. Das Rotkelchen flog zwitschernd von dannen. Sie würde jetzt erstmal einen Cappucino trinken und dann mit ihrem Rechtsanwalt sprechen.

Der Gullideckel wurde zur Seite geschoben und ein Männlein schaute aus ihm heraus. Seine kleinen Augen fielen auf mehrere staunend guckende Kinder mit HotDogs in den Händen, einem Zeitungsstand und ein Plakat für Damenunterwäsche. „Wieder Nichts“, sagte das Männlein und „Scheiße, wir haben uns echt verlaufen“ Danach verschwand es wieder im Untergrund und man hörte mehrere Stimmen eine einfache Melodie singen.

Professor Gabriel setzte seine gold-umrandete Brille ab und ließ sein Schwert zu Boden sinken. Denn nachdem er das Böse bekämpft hatte, so die Absprache, dürfe er wieder in die silberne Stadt. So ließ er seinen Mantel von den Schultern gleiten, entfaltete seine Flügel und flog gen Himmel.

Die Schnecke Peggy Sue hat angebaut. Da sie nicht gerne alleine ist, hat sie Teile ihrer Wohnung an den Bankangestellten Andreas Poller vermietet.

Herbert Tietze

Geiler Song aus einer der wenigen Produktionen, die nicht in Hamburg liefen.

Der König bittet zum Tanz

vierhuff theaterproduktionen / Die AZUBIS
Premiere 03.10.2013 am LOT Braunschweig


Dieses Projekt entstand im Rahmen von “auf probe – Alltagsutopien für das Braunschweiger Land” und ist ein Kooperationsprojekt vom LOT-Theater mit der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig.

Von und mit:
Kai Fischer, Gero Vierhuff, Christopher Weiß und Nikolaus Woernle

 

Wie man einen "Kleinen Tod" bastelt.

 

Aus: Das Nimmermeer, 2012, Tournee durch diverse Kirchen Niedersachsens

Wesentliche Bastelelemente waren eine Schnabeltasse, ein Baby-Born Puppen Hoodie und allerlei Kleinkram: Tischtennisbälle, Plastikgabeln, eine Mini LED-Leuchte ... In der Kirche sind die Details leider nie richtig zur Geltung gekommen.

Hier der Text dazu:

"Ein alter Herr geht über eine Straße, eine vielbefahrene Straße er ist anscheinend verwirrt, er achtet nicht auf die Autos, direkt auf eine junge Mutter mit Kinderwagen auf der anderen Seite zu. Diese sieht das und winkt aufgeregt, der alte Mann geht unbeeindruckt weiter, die Autos rasen an ihm vorbei, die Mutter schreit und rennt auf ihn zu, lässt das Neugeborene im Kinderwagen an der Hausmauer stehen, die beiden Treffen sich in der Mitte, dann friert die Zeit kurz ein.

Der alte Mann, er guckt der Mutter traurig in die Augen und sagt: Achtung, ein Klavier. Und aus dem Fenster des 4.Stock stürzt eben dieses Klavier und zermalmt den Kinderwagen mit seinem neugeborenen Passagier.

Auftritt der Tod.

Das Neugeborene schreit ihn an. Beleidigt ihn, hohle Nuss, du Tod aus der Schnabeltasse, es haut ihm sogar die Rassel über den Schädel. „Warum, warum ich?- ich bin gerade 3 Monate alt. Ich hätte viel mehr verdient, du hättest doch den alten Knacker nehmen können ...“

- so geht das weiter bis sich die kleine Seele auflöst.

Der kleine Tod bleibt zurück, er ist traurig und verletzt.

Er gibt jedem von uns doch dasselbe.

Er gibt jedem von uns ein Leben."

 

Inspiriert übrigens von Neil Gaimanns Sandman-Comics